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    „Meine Seele aber, die bleibt bei mir.“ Ein „Fein Gedacht“-Interview mit Puppenmacherin Juliane Strittmatter

    4. August 2014

    Juliane Strittmatter ist Berlinerin, lebt aber seit sechs Jahren in der schwedischen Idylle mit rotem Holzhaus und Blick auf den See. In ihrer Puppenmacherei „Fröken Skicklig“ (Update: Notes from Bjorkasa) entwirft und schneidert sie handgearbeitete Puppen, die sie für Fotos auch gerne mit eigens hergerichteten Puppenbeeten oder im maßgeschneiderten Puppenzelt präsentiert. Kein Wunder, dass ihr Auftragsbuch immer umfangreicher und Juliane immer erfolgreicher wird – doch wie hat eigentlich alles angefangen?

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    Juliane Strittmatter, Puppenmacherin von „Fröken Skicklig“.

    Hinter jeder guten Geschäftsidee steht ein fein gedachtes Konzept. Manchmal aber ist es auch nur ein Zufall, der zum Neuen und zum Erfolg führt. Wie ist deine Puppenmacherei „Fröken Skicklig“ entstanden, Juliane? Denn eigentlich bist du ja Schauspielerin, oder?

    Juliane Strittmatter: Ja, ich habe in Berlin an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Puppenspielkunst studiert und lange als Puppen- und Schauspielerin gearbeitet. Im Jahr 2008 wurde bei mir eine chronische Schmerzkrankheit diagnostiziert und von einem Tag auf den anderen konnte ich nicht mehr auf der Bühne stehen. Probenphasen sind an Theatern für gewöhnlich lang und intensiv, und wenn 700 Eintrittskarten verkauft worden sind, dann muß der Lappen hoch, wie es bei uns Puppenspielern heißt. Da spielt es dann keine Rolle, ob man gerade Grippe hat oder nicht.

    Ich war für einige Monate krankgeschrieben und musste mich entscheiden: Soll ich einen völlig neuen Beruf ergreifen oder mir etwas suchen, was zumindest teilweise mit Puppenspielkunst zu tun hat? Zu meinem Beruf gehört es ja auch, Puppen für Theater- oder Filmproduktionen zu entwerfen.

    Und du hast dich für das Puppenmachen entschieden…

    Juliane Strittmatter: Ja, weil es einfach das Naheliegendste war, von Theaterpuppen auf Spielpuppen für Kinder umzusatteln.

    Im Herbst 2008 war ich auf einem Dawanda-Event für Blogger. Bis dahin hatte ich selbst kaum Blogs gelesen, das war alles Neuland für mich. Die Veranstaltung setzte bei mir einiges in Bewegung: Ich habe erst einmal im Stillen angefangen zu bloggen, unter dem Namen „Fröken Skicklig“, mit Schwerpunkt auf DIY, Upcycling und Kunsthandwerk, mein eigenes und das anderer.

    Flickr war zu der Zeit sehr populär, ich habe dort regelmäßig Bilder meiner Puppen gepostet und hatte schon ein gut gefülltes Auftragsbuch, als ich im Februar 2009 meinen Webshop eröffnete. Seitdem lebe ich auch ausschließlich von meinen Puppen.

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    Und wie entstehen deine Puppen?

    Juliane Strittmatter: Ich zeichne grundsätzlich viel und mache Entwürfe. Oft genügen mir einfach nur ein paar Notizen, wenn ich bereits ein sehr klares Bild im Kopf habe. Meine Kunden dürfen, wenn sie das möchten, Haar- und Augenfarbe auswählen, alles andere liegt grundsätzlich aber in meiner Hand, dieser kreative Spielraum ist mir sehr wichtig.

    Fällt es dir schwer, sie „abzugeben“? Denn jede Puppe ist ja einzigartig und es steckt viel von dir selbst darin.

    Juliane Strittmatter: Anfangs fiel es mir schwer, ja. Inzwischen empfinde ich es aber auch oft als eine Erleichterung, wenn ich eine Puppe auf die Reise schicke, weil ich mich dann dem nächsten Projekt widmen kann. Viele Leute sagen mir, daß in jeder meiner Puppen ein Stück meiner Seele steckt, aber als Puppenspielerin würde ich es anders formulieren: Eine Puppe ist zunächst einmal nur ein Objekt aus Stoff und Wolle. Der Beseelungsprozess findet beim Betrachter statt, ohne dessen Fantasie wird eine Puppe nicht lebendig. Kann ich als Puppenmacherin eine ganz persönliche Verbindung zwischen diesem Objekt und dem Kunden herstellen, eine Projektionsfläche bieten, dann nimmt jener Kunde die Puppe als etwas Lebendiges wahr. Es ist schön, wenn mir das gelingt, meine Seele aber, die bleibt bei mir.

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    Das ist schön gesagt! Wie lange arbeitest du denn an einer Puppe? Und wie lange müssen deine Kunden von der Bestellung bis zur Lieferung warten?

    Juliane Strittmatter: Ich arbeite zwischen zwei und sieben Tagen an einer Puppe, meine Wartelisten sind jedoch sehr lang. Meine Kunden müssen deshalb viel Geduld mitbringen, dafür bekommen sie dann eine einzigartige Puppe.

    Was heißt denn eigentlich „Fröken Skicklig“?

    Juliane Strittmatter: Fröken Skicklig heißt in etwa „Das geschickte Fräulein“, wobei „Fröken“ im Schwedischen eher altmodisch klingt. Das habe ich bewusst so gewählt: Jeder von uns kennt aus seiner Kindheit bestimmt eine dieser alten Damen, so ein Fröken Skicklig, zu der man mit einer ollen Armeedecke kommen konnte und die daraus einen feinen Wintermantel nähte, Knöpfe sorgfältig abtrennte, alte Wollpullover aufräufelte, mit viel Geschick aus wenigem viel machen konnte. Dieses Bild gefällt mir, daher der Name.

    Du hast ein Faible für – darf ich das sagen? – das Altmodische und Bewährte, oder? Wer dir auf Instagram folgt, sieht nicht nur jeden Tag dein wunderschönes „Bouquet per day“, sondern auch deine Liebe zu Vintagekleidern. Nähst du sie auch selber oder wo findest du sie?

    Juliane Strittmatter: Ich trage fast nur Vintage oder Second-hand, mitunter nähe ich auch selbst. Die meisten meiner Kleider habe ich geschenkt bekommen. Ein Teil ist von unserer alten Nachbarin, ein Teil aus einem Nachlass – die Kirchengemeinde vor Ort meldete sich bei mir und bot mir an, ein paar Teile aussuchen zu dürfen. Ich habe das Glück, noch immer in die gleichen Kleider zu passen, die ich schon vor fünfzehn Jahren getragen habe, als der Stil der 1930er/1940er noch nicht so in Mode war. Mein Kleiderschrank selbst ist nicht sehr groß. Aber all das, was dort drin hängt, trage ich auch, mit sehr viel Freude.

    1000 Dank und Tack für das Interview, Juliane.

    Wer Interesse an einer handgearbeiteten Puppe von Juliane hat, kann sie natürlich gern kontaktieren: info@frokenskicklig.com

    Mehr von Juliane Strittmatter:

    Notes from Bjorkasa, Instagram, Facebook

     

     

     

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