Browsing Tag

Sandra Haischberger

    Fein gedacht Interview Stories Storytelling

    „Ich glaube fest daran, dass alles, was man mit großer Leidenschaft macht, auch Erfolg haben wird.“ Fein gedacht. Interview mit Sandra Haischberger, feinedinge* Porzellandesign

    4. Februar 2015

    Alice“ begegnete mir zum ersten Mal vor einigen Jahren in meinem Lieblingsmagazin. In zartem Mint, rauchigem Grau und zartem Rosé waren da farblich so wunderbar harmonierende Teekannen und Becher in einem Design abgebildet, wie ich es noch nie gesehen hatte.

    ALiCE_jars_feinedinge_porzellandesign

    Gestatten: Alice! Foto: feinedinge*/Robert Marksteiner

    Und seit diesem Tag bin ich ein großer Fan – nicht nur von der Produktserie „Alice“ – sondern von allen handgefertigten Porzellankostbarkeiten, die Sandra Haischberger und ihr Team von „feinedinge* Porzellandesign“ in ihrem Wiener Atelier kreieren.

    Im „Fein gedacht“-Interview erzählt Sandra, was sie inspiriert, wie ihre Entwürfe entstehen und warum sie sich immer auf ihr Bauchgefühl verlässt.

    "feinedinge*"-Gründerin Sandra Haischberger.

    „feinedinge*“-Gründerin Sandra Haischberger. Foto: Robert Marksteiner

    Hinter jeder guten Geschäftsidee steht ein fein gedachtes Konzept. Manchmal aber ist es auch nur ein feiner Zufall, der zum Erfolg führt. Wie war es bei dir, Sandra Haischberger? Wie und wann ist „feinedinge* porzellandesign“ entstanden?

    Sandra Haischberger: „feinedinge* entstand im Sommer 2005 aus dem Bauch heraus. Meine Tochter war anderthalb Jahre alt und ich wollte nicht mehr als Lehrerin arbeiten bzw. zurück ins Architekturbüro. Gleich um die Ecke meiner damaligen Wohnung war ein sehr süßer, kleiner Laden frei und die Milchmädchenrechnung – Miete zahlt sich vom Kindergeld und ein paar Porzellanteile verkaufe ich vielleicht sogar pro Monat – ging gut auf. Dann kamen nach und nach die Ideen dazu – auf Messen auszustellen, zuerst in Wien, dann in Frankfurt und zuletzt in Paris…“

    Wie hast Du Deine kreative Ader entdeckt und wer oder was inspiriert Dich? Woher kommen die Ideen für neue Entwürfe?

    Sandra Haischberger: „Meine „kreative Ader“ hat sich sicher als Kind schon gezeigt. Ich habe immer schon sehr gern gezeichnet und gebastelt und insgeheim hatte ich immer schon dieses besondere Gefühl, aus Ton „mehr“ machen zu können.

    Mittlerweile habe ich mich auf Porzellan eingeschossen. Meine Überlegungen waren immer schon sehr produktorientiert. Alles muss immer eine Funktion haben – so richtig künstlerisch hab ich keramisch nie gearbeitet.

    Die Ideen zu den Entwürfen kommen einfach. Ich kann gar nicht so genau sagen, woher. Es sind jedenfalls mehr, als umsetzbar ist. Oft auf Reisen, bei der Beobachtung fremder Tischkulturen, oft bei der Arbeit im Atelier – aus bestehenden Formen Produkte abzuleiten, manchmal auch über Gespräche und Wünsche von Kunden, die ein bestimmtes Produkt vermissen.“

    Vom Entwurf ...

    Vom Entwurf …

    Bitte beschreibe kurz Deinen kreativen Arbeitsprozess vom Entwurf bis zur Herstellung.

    Sandra Haischberger: „Den Entwurf mache ich meistens schnell in einem Skizzenbuch von Hand – nur für mich als Erinnerungshilfe, die ich dann am Computer in Form einer Werkzeichnung für unseren Formenbauer reinzeichne.

    Anhand dieser Zeichnungen wird das Modell angefertigt und im Anschluss daran der Formenbau gemacht. Man sollte sich den Entwurf also gut überlegen, denn der Formenbau aus Gips ist relativ aufwändig und teuer.

    Dann beginnen die ersten Probegüsse und Probebrände und meistens dauert es fast ein Jahr, bis ein Produkt auch tatsächlich soweit ist, dass wir es „rauslassen“ können und wollen.“

    ... zur Umsetzung. Fotos: feinedinge*

    … zur Umsetzung. Foto: feinedinge*/Robert Marksteiner

    Wo findet man dich, wenn du nicht arbeitest? Wie und wo entspannst du dich und holst dir neue Ideen?

    Sandra Haischberger: „Zur Entspannung schmökere ich sehr gerne in Magazinen wie Elle Decoration UK, Rum, Milk, Dazed&Confused… oder in schönen Büchern. Am allerinspirierendsten sind für mich Städteurlaube. Vor allem London! Gern gehe ich auch ins Kino oder sehe mir Filme zu Hause an und treffe mich mit meinen liebsten Freundinnen zum Tratschen…“

    Der Showroom von "feinedinge*" in der Wiener Margaretenstraße. Foto: feinedinge*

    Der Showroom von „feinedinge*“ in der Wiener Margaretenstraße. Foto: feinedinge*/Robert Marksteiner

    Welche Ziele und Wünsche hast du für „feinedinge*“? Und hast du Tipps für andere kreative Gründer – oder solche, die es werden wollen?

    Sandra Haischberger: „Im Moment ist mein Ziel bzw. Wunsch für feinedinge*, dass wir in unsererem neuen, viel größerem Geschäft und Werkstatt die Produktion soweit in den Griff bekommen, dass wir in Arbeit und Nachproduktion nicht mehr untergehen, so wie im Moment.

    Mittelfristig sollte sich die Lage soweit entspannen, dass wir genügend zu tun haben, aber auch noch Zeit bleibt, um neue Produkte entwickeln zu können. Denn das macht den allergrößten Spaß und ist der spannendste Prozess, allerdings auch der, der am meisten Zeit braucht.

    Neugründern würde ich wünschen, dass sie es schaffen, sich auf ihr Bauchgefühl zu verlassen. Das waren bisher immer meine allerbesten Entscheidungen. Sobald zu viel „Hirn“ dazu kommt, beginnt man mit den Ohren zu wackeln und wird unsicher… Ich glaube fest daran, dass alles, was man mit großer Leidenschaft macht, auch Erfolg haben wird.“

    1000 Dank für das Gespräch, Sandra!

    „feinedinge* porzelllandesign“ findet ihr hier: Homepage, Facebook

    Foto: feinedinge*

    Foto: feinedinge*/Robert Marksteiner

     

     

    Merken