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„Ich habe mich nie an Trends gehalten.“ Anastasia Benko, „Stilzitat“, Bloggerin und Stylistin

20. Dezember 2015

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Das letzte Fein gedacht. Interview in diesem Jahr. Und eines, auf das ich mich besonders gefreut habe. Anastasia Benko ist Stylistin, Shopbesitzerin und Bloggerin und ich liebe ihre wundervollen, besonderen Fotos. Im Interview verrät sie, dass Umwege manchmal Träume wahrmachen, was Erfolg für sie bedeutet und dass Trends nicht alles sind.

Stylistin, Shopbesitzerin, Bloggerin: Anastasia Benko. Foto:

Stylistin, Shopbesitzerin, Bloggerin: Anastasia Benko.   Foto: D. Walm

Hinter jeder guten Geschäftsidee steht ein fein gedachtes Konzept. Manchmal aber ist es auch nur ein feiner Zufall, der zum Erfolg führt.

Wie war es bei dir, Anastasia? Wie und wann ist dein Blog und Online-Shop „Stilzitat“ entstanden? Und ist dir die Entscheidung, dich selbständig zu machen, leicht gefallen?

Anastasia Benko: „Mein fein gedachtes Konzept war es ursprünglich, Kunstgeschichte zu studieren, um später in diesem Bereich zu arbeiten. Gesagt, getan. Nur, dass es nie zu dem zweiten Teil des fein gedachten Konzeptes kam: Stellen in Museen sind bekanntlich rar gesät… Sehr rar… So musste für mich ein neues, fein gedachtes Konzept her!

Die Sammelleidenschaft meiner Familie hat sich schon früh auf mich übertragen und nicht selten haben mich Bekannte nach dem Ursprung meiner Mode- oder Wohnaccessoires befragt. Vor diesem Hintergrund ist dann 2011 die Idee entstanden, den Online-Shop ‚Stilzitat’ zu gründen, in dem ich eigens kuratierte Vintage-Objekte anbieten und unterschiedliche Stile vom Barock bis zu den 1980er Jahren ‚zitieren‘ konnte. Dadurch konnte ich eigene Ausstellungen gestalten.

Privat dekoriere ich sehr oft um und es war mir ein großes Bedürfnis, all diese Vintage- Objekte für den Shop gekonnt in Szene zu setzen. So hat mich die Produktfotografie wieder zu den Anfängen meiner Kunst und Fotografie geführt.

Als zusätzliches Projekt habe ich dann vor einiger Zeit meinen Blog ‚Stilzitat’ gegründet. Im Laufe der Zeit empfand ich es unpassend, meine kreative Arbeit unter dem Blognamen ‚Stilzitat‘ zu führen. Dieser Name passte zwar gut zum Onlineshop, nach und nach haben sich neben den zahlreichen Produkt-, Interieur- und Blumenfotos auch Kunstinstallationen und Arbeiten aus dem Lifestyle-Bereich eingefunden. Dieses Jahr habe ich dann ein Online- Portfolio angelegt und meinen Blog auf anastasiabenko.com verlegt, um das volle Spektrum meiner Arbeiten zeigen zu können. Der Wechsel der Blogs war ein längerer Prozess, ähnlich der Entscheidung mich selbständig zu machen, aber ich habe es bis heute nicht bereut, meinem Herzen gefolgt zu sein.

Rückblickend muss ich feststellen, dass ich das Pferd von hinten aufgezäumt habe: Obwohl der Shop vor dem Blog existierte, hat erst meine Arbeit als Stylistin die Leute darauf aufmerksam gemacht, dass man bei mir schöne Unikate kaufen kann. Diese werden auch von anderen Bloggern gern als Props benutzt. Jetzt kann ich mich glücklich schätzen, in einer Kunst- und Wunderkammer wohnen und arbeiten zu können. Die Ausrede ‚Ich brauche das für ein Styling‘ funktioniert immer, auch wenn es die 3528-zigste Vase ist, die meine Sammlung erweitert… Denn in einem gesunden Zyklus finden die meisten Props wieder ihren Weg in meinen Vintage-Shop.“

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Dein Blog wurde vor wenigen Wochen vom Callwey-Verlag als Blog mit dem „Best individual Style“ ausgezeichnet, du wirst außerdem im Buch „Wohnideen aus dem wahren Leben“ gefeatured. Würdest du für dich sagen, dass du es „geschafft“ hast? Wie definierst du Erfolg für dich?

Anastasia Benko: „Ich würde wirklich flunkern, wenn ich behaupten würde, dass ich nie davon geträumt hätte, meine Arbeiten irgendwann mal in einem Buch zu sehen… Irgendwann… Umso größer war für mich die Überraschung, bei diesem Buchprojekt mitmachen zu dürfen! Ich fühlte mich so geehrt, in einem so tollen und erfolgreichen Buchprojekt zu erscheinen, besonders neben so talentierten Größen wie Mette von Monsterscircus, Elodie von Madame Love und Jeska von Lobster and Swan. Obwohl ich nominiert war, hätte ich niemals damit gerechnet, einen Award zu gewinnen! Als bei der Preisverleihung dann schliesslich mein Name fiel, war ich so perplex, dass es mir buchstäblich die Sprache verschlagen hat!

Mich darauf zu berufen ‚es geschafft zu haben‘ würde nicht meinem Wesen entsprechen, es wäre für mich eine absolute Bremse! Natürlich ist die Publikation und der Award ein absoluter Ritterschlag, dennoch würde es für mich vollkommenen Stillstand bedeuten, wenn ich mich auf erarbeiteten Erfolgen ausruhen würde. Im Gegenteil: Nach dem Buchprojekt und mit dem Award kamen viele sehr interessante Angebote und ich kann es kaum erwarten, ins neue Jahr zu starten, denn ich habe noch viele andere schöne Ziele!

Lange, sehr lange hab ich über die letzte Frage nachgedacht, aber eine feste Definition von Erfolg habe ich nicht… Ich weiss nur, dass ich dank Ausdauer und arbeiten bis spät in die Nacht meine Ziele erreicht habe. Es hört sich an wie ein Klischee, aber obwohl ich viel arbeite, fühlt es sich nicht wie Arbeit an, denn ich schätze mich sehr glücklich, meine Kreativität so ausleben zu können!“

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Der Stil deiner Fotos ist unverkennbar – meist blumig und sehr zart, fast ätherisch. Wie hast du diesen Stil für dich entwickelt und hast du einen Tipp, wie man seinen eigenen photografischen Stil entwickelt?

Anastasia Benko: „Vielen Dank für die Blumen, liebe Sonja! „Ich folge einfach meinen Händen und meinem Herzen“ wäre eine zu banale Erklärung für den Schaffensprozess, oder?

Gut, es steckt auch eine Menge Übung dahinter. Meine ersten Versuche, gelungene Fotos von Interieur-Stillleben zu machen, sind kläglich gescheitert! Tief in mir wusste ich, wie meine Fotos aussehen sollten, nur mit den Ergebnissen war ich sehr lange überhaupt nicht zufrieden. Also habe ich täglich geübt!

Als erstes habe ich mir die technischen Fähigkeiten erarbeitet. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass ich, auch wenn mir das Erlernen der Technik sehr schwer fiel, nur dann die Ergebnisse erzielen konnte, wenn ich wusste, WAS mit meiner Kamera WANN zu tun war. Anfangs habe ich mit künstlichem Licht gearbeitet, worauf ich heute aber fast komplett verzichte. Ich arbeite mit einem sehr lichtstarken Objektiv und versuche mit den Lichtverhältnissen auszukommen, die mir meine Umgebung bietet.

Ich sagte ja bereits, dass ich viel umdekoriere. Fast täglich kreiere ich kleine oder große Stillleben in meiner Wohnung. So hatte ich oft geduldige Ziele, die ich ablichten konnte. Ein Geheimnis gibt es da für mich nicht, da ich immer meinem Herzen folge: Ich verwende für meine Stillleben alles, was mich gerade glücklich macht und intensive Erinnerungen hochbringt: die Postkarte einer Freundin neben einem Mitbringsel aus dem Urlaub… Bei mir stehen die Sachen aber nie lange in den gleichen Gruppen, da immer neue Lieblinge dazukommen. Ohne es bewusst zu planen, zeigen manche Dinge ihre wahre Schönheit erst, wenn man sie aus dem gewohnten Rahmen herrausreisst.

Nicht nur die alltägliche Übung mit der Kamera und den Props hat mir geholfen. Ich habe mich nie an Trends gehalten. Manchmal war es sogar umgekehrt: Ich habe Trends boykottiert: Brad Pitt und Jeans wurden von mir stumpf ignoriert. Hört sich sehr albern an, aber ich hatte schon immer ein Auge auf Dinge geworfen, die die anderen überhaupt nicht wahrnahmen. Lieber habe ich Antiquitäten und Vintage gesammelt und mein erstes Geld in Wohnaccessoires mit viel Geschichte gesteckt. Ich liebe es, die alten Sachen in einen zeitgenössischen Kontext zu setzen und vielleicht sind es die ungewöhnlichen Dinge und die Liebe zu Objekten mit viel Patina, die meinen Stil so anderes wirken lassen.“

Weihnachten steht vor der Tür und wenn Wünsche wahr werden können, dann jetzt. Verrätst du uns deinen Weihnachtswunsch?

Anastasia Benko: „Wenn man Wünsche verrät, werden sie nicht wahr, oder? Deswegen behalte ich diese für mich… Ich kann aber schon verraten , dass im Jahr 2016 ein anderer großer Wunsch von mir in Erfüllung gehen soll.“

1000 Dank für deine Zeit, Anastasia!

Links: Blog/Site, Shop, Instagram, Pinterest

Alle Fotos: Anastasia Benko

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