Fein gedacht Interview Storytelling

„Wir stehen vor Schränken voller „nichts Anzuziehen“ und umgeben uns mit Dingen, die wir nicht mögen.“ Denise Colquhoun, Ordnungsexpertin „Fräulein Ordnung“

2. März 2016

Hirn, Herz und Schubladen entrümpeln – unter dieser Maxime steht mein Jahr 2016. Was liegt da näher, als eine professionelle Ordnungsexpertin zu fragen, warum wir eigentlich immer so viel ansammeln müssen und wie man das Zeug wieder los wird? Denise Colquhoun, besser bekannt als „Fräulein Ordnung“, erzählt, warum wir uns so schlecht von Dingen trennen können und gibt drei ultimative Aufräumtipps.

Denise Colquhoun aka Ordnungsexpertin "Fräulein Ordnung".

Denise Colquhoun aka Ordnungsexpertin „Fräulein Ordnung“. Foto: Anna Haas

Hinter jeder guten Geschäftsidee steht ein fein gedachtes Konzept. Manchmal aber ist es auch nur ein feiner Zufall, der zum Erfolg führt.

Wie war es bei dir, Denise? Du bist Ordnungsexpertin und bringst chaotische Kleiderschränke, Büros und Häuser zusammen mit ihren Besitzern wieder in Ordnung und gestaltest sie neu. Wie ist dein Business entstanden?

Denise Colquhoun: „Vor fünf Jahren habe ich von dem amerikanischen Beruf „Professional Organizer“ gehört und wusste im selben Augenblick, dass ich meine Berufung gefunden habe! Dass man mit dieser Leidenschaft Geld verdienen kann, fand ich einfach unglaublich. Doch einige Gedanken später kamen mir so viele Menschen in den Sinn, denen ich genau in diesem Bereich schon Hilfe leisten konnte, nur, dass mir mein Ordnungs-Gen vorher nie bewusst gewesen ist.

Innerhalb von vier Wochen hatte ich eine Steuernummer, ein Logo und schöne Flyer und damit bin ich einfach losgezogen – auf der Suche nach der ersten Kundin. Diese erste Kundin kam, als ich mit einem Artikel in unserer Tageszeitung vorgestellt wurde.

Seitdem habe ich viele Küchen, Büros und Kleiderschränke entrümpelt und neu sortiert. Ich habe Tränen getrocknet und mit Kundinnen gelacht. Ich wurde zu Einsätzen nach Sylt und nach Basel gerufen, war im Fernsehen zu sehen und habe ein Buch geschrieben.

Und nach fünf Jahren kann ich sagen: Es war die beste Entscheidung meines Lebens, meiner Leidenschaft zu folgen! Aktuell schreibe ich an meinem zweiten Buch, was ein echtes Herzensprojekt wird.“

Ein Arbeitszimmer bevor ...

Ein ganz normales Arbeitszimmer …

Was würdest du sagen: Warum fällt es uns so schwer,  uns von überflüssigen Dingen zu trennen?

Denise Colquhoun: „Meist finden wir nicht den richtigen Anfang und haben eigentlich keine Zeit und überhaupt: Was ich habe, das habe ich! Kann ich alles noch mal gebrauchen, wird bestimmt irgendwann wieder passen und hat mal viel Geld gekostet. Dann kommen noch die Erbstücke dazu, die keiner mag, die aber von Tante Emma sind. Die können doch nicht weg, oder?

So stehen wir vor Schränken voll mit „nichts Anzuziehen“, umgeben uns mit Dingen, die wir eigentlich nicht mögen, sitzen an Schreibtischen, die überquellen und uns glauben machen, wie wichtig wir sind, und kochen in Küchen, die voll mit Küchengeräten und Tupperware stehen und vergessen dabei, dass wir eigentlich so wenig brauchen, um glücklich zu sein.“

... und nachdem Denise damit fertig ist.

… und nachdem Denise damit fertig ist.

Wir sind ja in der Fastenzeit und viele habe das Bedürfnis, neben ihrem Körper auch ihre eigenen vier Wände „aufzuräumen“. Welches sind deine drei ultimativen Tipps, wo und wie man anfangen sollte?

Denise Colquhoun: „Der erste Tipp passt perfekt in die Fastenzeit: Konsumruhe! Wer in der Fastenzeit weniger unnützes Zeug kauft, kommt der gewünschten Ordnung automatisch ein Stück näher.

Dann empfehle ich immer, sich nicht zu viel auf einmal vorzunehmen, um den Spaß und die Motivation nicht zu verlieren. Es kann helfen, jeden Abend 15 Minuten lang aufzuräumen, jeden Tag eine Schublade oder jeden Samstag eine andere Ecke. Planung ist dabei alles. Je mehr aufzuräumen ist, desto wichtiger ist es, sich alles einmal aufzuschreiben und aufzuteilen und vielleicht sogar im Kalender zu notieren.

Aber der wichtigste Tipp überhaupt: Einfach anfangen! Egal wo, Hauptsache anfangen!“

1000 Dank für deine Zeit, Denise!

Wer Denises ordnende Hände braucht oder ihre Inspiration: Homepage, Facebook, Instagram, Pinterest

Und wenn ihr mögt, erzählt gerne in den Kommentaren, ob und wie ihr es schafft, Ordnung zu halten, euch von Überflüssigem zu trennen oder gar nicht erst soviel anzusammeln.

Bei Fräulein Ordnung privat - natürlich alles ordentlich!

Bei Fräulein Ordnung privat – natürlich alles ordentlich!

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6 Comments

  • Reply Nicole 2. März 2016 at 08:37

    Vielen Dank für diese phantastischen Beitrag… Denise spricht mir aus der Seele… ich neige auch dazu Ordner vollzustopfen, keine Ablage zu machen, Dinge von einer Ecke in die andere zu räumen… und genau dieses Thema habe ich mir (unter anderem) in der Fastenzeit auf die Fahne geschrieben. Ich nutze die Fastenzeit, um mir und meiner Seele etwas Gutes zu gönnen (durchaus durch Verzicht auf das Gegenteil dessen, was ich mir gönne). Ich habe positive Glaubenssätze aus meinen Vorhaben gemacht, denn dann kommt auch kein Mangelgedanke auf… So steht unter Anderem Entgiftung und Ordnung auf dem Programm und beim Thema Ordnung schreibe ich mir täglich ein „Ticket“, welche Ecke, Schublade etc heute dran ist. Das Aufschreiben ist, wie ich finde, enorm wichtig. Und es ist so wahnsinnig be“REICH“ernd so langsam wieder den „Durchblick“ zu haben, denn weniger ist manchmal mehr. Möge Denise noch vielen Menschen zur Seite stehen können. Herzensgruß Nicole

    • Reply Sonja 2. März 2016 at 08:41

      Liebe Nicole, ich freue mich sehr, dass das Interview so ins Schwarze bei dir trifft und finde deine Ordnungstaktik super! Liebe Grüße, Sonja

  • Reply Nina 2. März 2016 at 13:04

    Ich befasse mich auch viel und gerne mit Ordnung. Meine große Liebe gilt dem Entrümpeln!
    Ein sehr schöner Artikel.

    Liebe Grüße
    Nina

    • Reply Sonja 2. März 2016 at 13:20

      Hallo Nina, vielen Dank, es freut mich sehr, dass dir der Artikel gefällt. Das Entrümpeln ist auch mein großes Thema zur Zeit 😉 Liebe Grüße, Sonja

  • Reply Tinka 3. März 2016 at 11:13

    Bei Klamotten finde ich die ehrliche Meinung einer Freundin oder des eigenen Freundes unverzichtbar. Anprobieren, schauen wie man darin wirkt, auch von außen betrachtet und dann entscheiden. Post mache ich direkt im Flur vor der Altpapiertonne auf und werfe unnützes direkt weg. Dinge, die man für s Wegwerfen zu schade findet, bekommen Freunde oder werden gespendet, so ist jedem geholfen und anderen wurde eine Freude gemacht.

  • Reply Julia 4. März 2016 at 00:09

    Ich habe vor ein paar Jahren das Aufräumsystem „FlyLady“ für mich entdeckt. Es ist schnell, einfach und so habe ich jeden Tag einbißchen aufgeräumt. Meine Termine, Erledigungen und Einkäufe verfasse ich in einem Programm auf dem Computer, dass ich als App auf meinem iPhone habe. Es geht natürlich auch umgekehrt: in die App eintragen und schon hat man es im Programm auf dem Computer. Ich habe all die Terminplaner und bunte klebrige Zettelchen einfach nicht lieb gewonnen. Ist Geschmacksache, ganz klar…
    Denise macht natürlich ganz tolle Arbeit. Ich lese ihren Blog oft weil sie mich inspiriert, immer wieder neue Dinge auszuprobieren. Mein nächstes Projekt: capsule wardrobe. Denise sei Dank… 🙂

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