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„Die Bücher schaffen diese besondere Magie.“ Fein gedacht. Interview mit Angelika Niestrath, nonbook.de

25. Mai 2015

Könntet ihr euch eine Welt ohne Buchladen vorstellen? Ohne einen „echten“ 1.0 Buchladen, in dem es nach Papier, Geschichten und Kaffee duftet und in dem man stundenlang stöbert? Ich nicht – und Angelika Niestrath auch nicht. Auch, wenn es vielleicht auf den ersten Blick so scheint.

Angelika Niestrath ist Marketingprofi, gelernte Buchhändlerin und sie liebt Bücher – erfolgreich aber ist sie ausgerechnet mit „nonbook.de“, einem Serviceangebot, das Anbieter von schönen Dingen wie Papeterie und Geschenkartikeln und Buchhändler zusammenbringt.

Warum genau das die Rettung für den stationären Buchhandel sein kann, die Bücher dennoch das Wichtigste sind und warum die Frankfurter Buchmesse für sie jetzt schon begonnen hat, erzählt Angelika Niestrath im „Fein gedacht.“ Interview.

Angelika Niestrath, die Gründerin von nonbook.de. Foto: B.Dietl, Berlin

Angelika Niestrath, die Gründerin von nonbook.de. Foto: B.Dietl, Berlin

Hinter jeder guten Geschäftsidee steht ein fein gedachtes Konzept. Manchmal aber ist es auch nur ein feiner Zufall, der zum Erfolg führt. Wie war es bei Ihnen, Angelika Niestrath? Wie ist „nonbook.de“ entstanden und welche Idee steckt dahinter?

Angelika Niestrath: „Papeterie, Geschenke und andere Zusatzprodukte – oder eben „Nonbooks“ – sind heute aus dem Buchhandel kaum noch wegzudenken, doch das war ja nicht immer so.

Vor gut zehn Jahren arbeitete ich für einen Kinderbuchverlag, der mit dem damals beginnenden Nonbook-Boom groß geworden war. Dort habe ich viel gelernt über das Geschäft mit Nicht-Büchern, denen manche Buchhändler heute noch mit einer Art Hassliebe begegnen – weil sie zwar den wirtschaftlichen Vorteil darin sehen, andererseits aber mit dem profanen „Schnickschnack“ lieber nichts zu tun hätten.

Jedenfalls habe ich mich 2004 mit meiner damals seltenen Spezialkompetenz selbständig gemacht. Als „ambulante Key Accounterin“ wollte ich Anbietern helfen, ihre Produkte im Buchhandel zu platzieren, und meine eigenen Wurzeln im Buchhandel waren dabei natürlich von Vorteil: Ich kannte beide Seiten gut. Aus dieser Arbeit entstand dann die Idee, auf der Frankfurter Buchmesse eine Plattform für Zusatzprodukte zu schaffen – am weltweit wichtigsten Treffpunkt der Buchbranche. Rückblickend scheint das „fein gedacht“, fast schon zwingend. Tatsächlich war es ein ziemliches Abenteuer, bei dem ich viel Glück hatte, aber auch viel Gegenwind. Getrieben hat mich vor allem auch die Lust an der eigenen Unternehmung – dreihundert Quadratmeter Buchmesse zu bespielen und dabei vierzig Aussteller zu managen ist doch etwas anderes, als mit einem Musterkoffer allein durch die Lande zu fahren … Das sehe ich immer noch so, obwohl der Musterkoffer vielleicht die vernünftigere Wahl gewesen wäre.“

Bücher und Nonbooks Seite an Seite - so präsentierte Angelika Niestrath ihr Konzept auf der Paperworld.

Bücher und Nonbooks Seite an Seite – so präsentierte Angelika Niestrath ihr Konzept auf der Paperworld.

Der Buchhandel wandelt sich gerade dramatisch – wo liegen Ihrer Meinung nach die Chancen für Buchhändler?

Angelika Niestrath: „In der Konzentration auf das, was sie ausmacht: Bücher! Bücher und das, was man mit Büchern und dem Buchhandel verbindet: Anspruch, Werte, Kultur, Originalität und Qualität. Aber auch Geschichten, Poesie, Wissen, Ideen – letztlich Sinn. Klingt vielleicht seltsam, wenn die „Nonbook-Expertin“ das sagt, aber es stimmt unbedingt.

Die Bücher schaffen diese besondere Magie, mit der sich dann auch andere Dinge verkaufen lassen. Die gleiche Kaffeetasse wirkt in einem Geschenkartikelladen nur halb so besonders. Die Magie spüren übrigens auch Menschen, die mit Büchern nicht so viel am Hut haben – und gerade denen können dann Nonbooks über die Schwelle helfen.

Es ist eine Binsenweisheit, dass der stationäre Einzelhandel nur überleben kann , wenn er sich den veränderten Kauf- und Informationsgewohnheiten der Kunden anpasst: Einkaufserlebnis, Ambiente, unverwechselbares Angebot sind die Schlagworte.

Buchhändler sind Vorreiter in der Buy Local! Bewegung, sie sind Kulturveranstalter, oft weit über den eigenen Laden hinaus, sind Begegnungsort für interessante Menschen und machen dazu oft einen ziemlich guten Kaffee – beste Voraussetzungen also für lebendige Geschäfte. Wer das noch mit einem einladenden Ambiente, einem individuellen Sortiment und engagiertem Service verbindet, hat gute Chancen zu bestehen.

Aus Nonbook-Sicht ist ein Buchsortiment auch eine gute Grundlage für einen attraktiven Concept-Store – die Bücher bringen den nötigen Tiefgang.“

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Was ist für Sie die perfekte Buchhandlung?

Angelika Niestrath: „Eine, die mich mit ihrem Angebot überrascht und überzeugt. Wenn ich Titel entdecken kann, auf die ich alleine nicht gekommen wäre – und vielleicht noch eine kluge Empfehlung dazu bekomme. Wenn ich die spezielle Magie spüre, die von einer fein sortierten Buchhandlung ausgeht. Wenn die Einrichtung einladend ist, Raum zum Verweilen lässt. Wenn ich dort interessante Menschen treffen und, nicht zuletzt, das eine oder andere wirklich besondere Zusatzprodukt finden kann, schöne Dinge, die mich begeistern – dann ist es perfekt.“

Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse feiern Sie mit dem „Nonbookmarktplatz“ 10-jähriges Jubiläum – was macht den Marktplatz für Aussteller so interessant? Was ist das Besondere und was möchten Sie erreichen?

Angelika Niestrath: „Der Nonbookmarktplatz ist DIE etablierte Adresse für ausgewählte Zusatzprodukte auf der Buchmesse. Buchhändler wissen, dass sie dort ein fachkundig vorsortiertes Angebot finden, das wirklich zu ihnen passt, präsentiert in schönem Ambiente rund um eine gastliche Cafébar. Die Chance, auf möglichst viele relevante Einkäufer zu treffen, ist deshalb auch nirgendwo anders so hoch – und wir tun sehr viel dafür: Persönliche Einladungen an den Handel, Pressearbeit in den Fachmedien, eine Webseite und regelmäßige Newsletter unterstützen die Aussteller weit über die Messe hinaus. Wir übernehmen Organisation, Auf- und Abbau, Standbetreuung und Catering vor Ort. Die Aussteller können sich ganz auf ihre Kontakte konzentrieren, alles andere erledigen wir.

Vor zehn Jahren war die Anfangsidee, den meist branchenfremden Ausstellern auf der Buchmesse ein komfortables Zuhause zu geben und ihnen bei der Kontaktanbahnung mit dem Buchhandel zu helfen. Das ist immer noch ein Erfolgskonzept, auch wenn der Buchhandel für viele inzwischen kein Buch mit sieben Siegeln mehr ist. Sehr geschätzt werden auch die Synergien der kollegialen, über die Jahre fast schon familiär gewordenen Ausstellergemeinschaft.

Jetzt bekommt der Nonbookmarktplatz einen attraktiven neuen Standort auf der Messe und außerdem ein neues Standesign – da ist alles hineingeflossen, was wir in den letzten zehn Jahren gelernt haben. Ich bin ja ein Messefreak und liebe es, Jahr für Jahr wieder tolle Leute zusammenzutrommeln, um mit ihren schönen Produkten ein neues Stück auf die Bühne zu bringen – dieses Jahr also in einem neuen Bühnenbild, wir sind schon sehr gespannt!“

P.S. Einige wenige Ausstellerplätze auf dem Nonbookmarktplatz 2015 sind übrigens noch zu haben – bei Interesse schreibt an Angelika Niestrath unter info@nonbook.de

Herzlichen Dank für Ihre Zeit, Angelika Niestrath.

 

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