Fein gedacht Interview Storytelling

„Nordisches Design wird nie passé sein.“ Tinna Pedersen, Agentur Pedersen

31. März 2016
Kopenhagen - inspiration pur. Foto: Kim Wyon/Visit Denmark

Kopenhagen – Inspiration pur. Foto: Kim Wyon/Visit Denmark

Die Ambiente ist nicht nur der beste Ort, um sich inspirieren zu lassen, sondern besonders und vor allem, um spannende und interessante Menschen kennenzulernen. Ein solcher Mensch ist die Dänin Tinna Pedersen, Inhaberin einer Hannoveraner Agentur und verantwortlich für den Vertrieb so wunderschöner dänischer Interiormarken wie Skagerak und ferm living. Im Fein gedacht. Interview erzählt Tinna, welcher Zufall sie zu DER Anlaufstelle für dänische Interiormarken gemacht hat und verrät, was dänisches Design so besonders macht.

Agenturchefin Tinna Pedersen. Foto: Thorsten Becker

Agenturchefin Tinna Pedersen. Foto: Thorsten Becker

Hinter jeder guten Geschäftsidee steht ein fein gedachtes Konzept. Manchmal aber ist es auch nur ein feiner Zufall, der zum Erfolg führt. Wie war es bei dir, Tinna? Wie ist deine Agentur entstanden?

Tinna Pedersen: „Bei mir war es tatsächlich ein feiner Zufall. Vor 25 Jahren bin ich mit meinem Mann Morten von Dänemark nach Hannover gezogen und eigentlich wollten wir nur ein paar Jahre bleiben. Doch dann kamen unsere Kinder auf die Welt und aus den paar Jahren wurden immer mehr. 2002 bot man mir den Vertrieb von „Greengate“ an, die damals erst auf dem deutschen Markt starteten. Und nach und nach kamen weitere dänische Firmen wie „House Doctor“ dazu, die ich zehn Jahre lang betreut habe. 2011 gesellte sich ferm living dazu, seit 2014 Skagerak. In den letzten Jahren haben wir uns immer mehr auf die Designschiene konzentriert. Weil wir so groß geworden sind, ist mein Mann Morten 2009 ganz mit in die Agentur eingestiegen. Und weil wir nun einmal Dänen sind und in Deutschland leben, vertreten wir dänische Firmen in Deutschland. Unsere Kunden mögen das, sie haben das dänische Flair am Telefon, und wir werden auch gern mal Berater für die Ferienplanung.“

Alle Welt liebt dänisches Design – was glaubst du, warum das so ist?

Tinna Pedersen: „Als wir mit Greengate gestartet sind, war skandinavisches Design in Deutschland etwas ganz Neues. In deutschen Möbelhäusern war damals der mediterrane Stil stark vertreten und dann kamen wir, mit weißen Möbeln und klaren Farben. Dies wurde schnell zum Trend in Deutschland und ich glaube, dieses Helle, Klare ist genau das, was viele so mögen.

Wir Dänen sind stolz auf unsere Designgeschichte, die in den 1950er Jahren begonnen hat. In jeden dänischen Haushalt gehören die Essstühle von Arne Jacobsen oder eine PH-Lampe von Poul Henningsen. Doch wir verändern uns auch, bewegen und entwickeln uns immer weiter und haben den Mut zur Veränderung. Aus diesem Grund glaube ich, dass nordisches Design niemals passé sein wird.“

Pur und klar ...

Pur und klar …

 

... das ist dänisches Design. Fotos: ferm living

… das ist dänisches Design. Fotos: ferm living

 

Nach 25 Jahren in Deutschland – was würdest du sagen, wie sich Dänen und Deutsche in ihrer Lebens- und Arbeitsweise unterscheiden?

Tinna Pedersen: „Die Dänen sind lockerer, in Deutschland kann ich zum Beispiel nicht jeden duzen. Deutsche Kunden achten sehr auf Qualität und Funktionalität, sie kaufen sehr bewusst und möchten wissen, wo die Produkte herkommen und wie sie produziert werden. Deutsche kaufen für die Ewigkeit, die Dänen ändern ihre Einrichtung häufiger, und kaufen eher nach und nach. Das ändert sich allerdings auch gerade in Deutschland – die junge Generation ist viel mutiger und mixt die Stile. Es muss nicht immer alles perfekt sein.“

Auch Skagerak mit seinem puristischen Design gehört zu Tinnas Kunden. Foto: Skagerak

Auch Skagerak mit seinem puristischen Design gehört zu Tinnas Kunden. Foto: Skagerak

Was bedeutet Interior für dich persönlich – wie wichtig ist dir eine schöne Einrichtung und was bedeutet „schön“ für dich?

Tinna Pedersen: „Für mich ist eine schöne Einrichtung, wenn ich sehe, dass die Leute wirklich darin leben. Ein Mix aus Alt und Neu und persönlichen Dingen. Ich zum Beispiel mache jeden Abend meine Kerzen an und kaufe donnerstags frische Blumen. Das tue ich für mich und meine Familie, weil es schön sein soll, „hyggelig“, gemütlich eben. Doch ich brauche auch Ruhe und merke, dass ich immer weniger Dinge um mich herum haben möchte.“

Gibt es ein Designerstück, das du unbedingt haben möchtest?

Tinna Pedersen: „Oh ja! Ich träume von Poul Henningsens Leuchte PH Artichoke, aber wir sind noch nicht sicher, ob wir soviel Geld nur für eine Lampe ausgeben sollen…“

Verrate uns doch bitte deine fünf schönsten Orte in Dänemark.

Tinna Pedersen: „Natürlich Aalborg, meine Heimatstadt. Hals an der Ostsee, dort haben wir unser Ferienhaus. Zudem bin ich ein großer Fan von Skagen, der nördlichsten Stadt Dänemarks und einfach zauberhaft. Kopenhagen liebe ich natürlich und Aarhus, in den Städten lasse ich mich einfach gern inspirieren.“

1000 Dank für deine Zeit, liebe Tinna!

Tinna Pedersen im Netz: Homepage, Instagram, Facebook

 

Skagen - Zeit zum Abschalten. Foto: Niclas Jessen/Visit Denmark

Skagen – Zeit zum Abschalten. Foto: Niclas Jessen/Visit Denmark

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