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Vom Mut, es trotzdem zu tun.

16. November 2015

Wie die meisten von euch habe auch ich am Freitag abend vor dem Fernseher, vor dem Smartphone, vor dem Computer gesessen. Schockiert, fassungslos, entsetzt und voller Trauer. Und zutiefst verängstigt. Was passiert dort in Paris? Was geschieht nur mit uns? Die Welt stand still und meine Gedanken rasten. Ich habe von einem Moment auf den anderen alles in Frage gestellt. Mein Leben, mich selbst. Meine Arbeit, denn sie ist ein Teil von mir. Texte, die geschrieben, Interviews, die vorbereitet werden wollten – alles beiseite geschoben. Nichts war mehr wichtig. Es ging nicht nur mir so, viele haben am Wochenende geplante Aktionen und Blogposts abgesagt und geschrieben, dass sie schweigen, nicht über vermeintliche Banalitäten und Nichtigkeiten schreiben wollten.

In Paris gingen derweil die Menschen langsam wieder auf die Straßen, kauften Lebensmittel und Zeitungen, versammelten sich am Place de la République, um Kerzen anzuzünden, zu trauern, nicht allein sein zu müssen. Eigentlich sollten sie zu Hause sein, sich in Sicherheit bringen, sich schützen, so die Anweisung der Polizei. Doch viele antworteten: „Wir haben keine Angst.“

Ich glaube das nicht. Doch ich glaube, dass es etwas gibt, das wichtiger ist als die Angst und dass diese Menschen das wissen: Den Mut, es trotzdem zu tun. Die Angst in die Tasche zu packen, die Tür hinter sich zu schließen und hinauszugehen. Trotzdem. Und jetzt erst recht.

Und genau das tun wir im Kleinen, in dem Alltag, in den wir zurück müssen, heute und jeden Tag. Ob wir ein Geschäft eröffnen, ein Kind bekommen, eine Bewerbung verschicken. Ob wir die Wohnung kündigen, um irgendwo neu anzufangen oder einen Blog aufsetzen und lange überlegen, ob wir wirklich den Mut haben, auf „veröffentlichen“ zu drücken.

Wir haben eine Scheißangst. Und den Mut, es trotzdem zu tun.

Dieser Post erschien außerdem bei Edition F.

fein_gedacht

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