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Rollbuch

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    „Man weiß nie, was alles nächstes ins Blickfeld kommt.“ Fein gedacht. Interview mit Ann-Christin Müller von „Rollbuch“

    17. Juni 2015

    Manchmal saust man durchs Internet und bleibt plötzlich an einem Foto hängen. Bei mir war es vor einigen Wochen dieses:

    Rollbuch_BLANKO

    Foto: Rollbuch

    Und dieses:

    Rollbuch_blau

    Foto: Rollbuch

    Was das ist? Ein Rollbuch! Erdacht und designt von Ann-Christin Müller und Paul Lichtenegger, einem Ilustratoren/Designer-Duo aus Berlin. Das „Rollbuch“ wurde im September 2012 zum ersten Mal auf der Independent Book Fair in Hamburg präsentiert, mittlerweile gibt es das schicke Teil als Blanko-Exemplar sowieso mehrere Geschichten-Rollbücher, die von verschiedenen Autoren und Illustratoren gestaltet wurden.

    Wie die Idee zum „Buch mit endloser Seite in einem Kurbel-Kasten“ entstanden ist, wie Autoren mitarbeiten können und warum es das Rollbuch (noch) nicht in jedem Buchhandel gibt, lest ihr im Interview mit Ann-Christin Müller.

    Ann-Christin Müller, Mitgründerin von "Rollbuch" bei der Arbeit.

    Ann-Christin Müller, Mitgründerin von „Rollbuch“, bei der Arbeit. Foto: Rollbuch

    Hinter jeder guten Geschäftsidee steht ein fein gedachtes Konzept. Manchmal aber ist es auch nur ein feiner Zufall, der zum Erfolg führt.

    Wie war es bei dir, Ann? Wie ist die Idee für das „Rollbuch“ entstanden?

    Ann-Christin Müller: „Die Inspiration, ein Rollbuch zu machen, hatten wir kurz nach meinem Diplomabschluss, als ich gerade an Texten und Illustrationen für mein erstes Kinderbuch arbeitete. Schon bald hatte Paul einen ersten Prototypen des Rollbuchs gebaut, der aber noch einige Kinderkrankheiten hatte. Aber immerhin konnte man schon sehen, in welche Richtung es gehen würde.

    Die weitere Entwicklung des Produkts und Unternehmens hatten wir uns überhaupt nicht ausgemalt. Es war ein ganz von selbst laufender Prozess, in dem wir sehr viel gelernt haben. Auch bis das Produkt technisch ausgereift war, hat es eine ganze Weile gedauert. Jetzt kann ich mir das Leben ohne das Rollbuch fast nicht mehr vorstellen. Es ist ein wirklich sehr schönes Produkt, das sich ständig weiter entwickelt und auch durch unsere Autoren und Illustratoren immer wieder neu interpretiert wird. Es macht einfach Freude.“

    Wie teuer ist ein Rollbuch und wie kann ich es nutzen?

    Ann-Christin Müller: „Unser preisgünstigstes Rollbuch kann man für 90 Euro erwerben, es ist aus einfachem Pappelsperrholz und beinhaltet ein Blanko-Papierband. Es wird so zum Notizbuch, Skizzenbuch, Tagebuch oder lässt sich zum Beispiel bei feierlichen Anlässen als Gästebuch verwenden. Wir arbeiten momentan daran, dass Rollbücher bald günstiger und weiter verbreitet sein werden.“

    Mit welchen Künstlern und Autoren arbeitet ihr zusammen und wie kann ich als Autor und/oder Künstler dabei sein?

    Ann-Christin Müller: „Bis jetzt haben wir drei Rollbuchinhalte in Kooperation erstellt: Das 23 Meter lange Kinderbuch „Ludwig van Leerdam“ des Hamburger Illustrators Florian Zietz (mit dem wir schon eine Fortsetzung in Arbeit haben), die 5 Meter lange Warteschlange „L´Attente“ von Yannik Lüdemann sowie „Das verkaufte Dorf“, umgesetzt von der Illustratorin Nina Helbig und dem Autor Martin Fuchs. Zwei weitere Rollbuchgeschichten sind von mir selbst, da ich auch als Illustratorin arbeite. Diese Geschichten sind „Des Marders Flügel“ und „Die Schlange Boa“. Beide Bücher sind mit Holzschnitten illustriert und etwa 10 Meter lang.

    Derzeit sind eine limitierte Auflage mit der Künstlerin Tita do Rego Silva und der Autorin Tilla Lingenberg, eine Interpretation eines Rilke-Textes der Illustratorin Elke Ehninger und ein Buch mit einem Werk des Künstlers Giovanni Possenti in Arbeit. Wir sind sehr gespannt auf diese neuen Bücher, die Künstler haben von uns Blankopapier bekommen und darüber hinaus freie Hand für ihre Interpretationen.

    Wir sind immer offen für neue Kooperationen, obwohl wir mittlerweile oft mit der Qual der Wahl konfrontiert sind und auch Dinge ablehnen müssen. Wer Interesse hat, schickt uns bitte eine Mail an autor@rollbuch.com bzw. designer@rollbuch.com.“

     

    Ein bezauberndes Kinder-Rollbuch in 23 Meter Länge: Die Abenteuer ...

    Ein bezauberndes Kinder-Rollbuch in 23 Meter Länge: „Die Abenteuer …

    ... von Ludwig van Leerdam. Foto: Rollbuch

    … von Ludwig van Leerdam“. Fotos: Rollbuch

    Wie würden deine Wünsche und Ziele für das „Rollbuch“ als Rollbuch aussehen?

    Ann-Christin Müller: „Wir wünschen uns, das Rollbuch für mehr Menschen erschwinglich zu machen. Deshalb suchen wir Lizenznehmer/Hersteller, die das Marktpotential des Produkts erkennen und ausnutzen möchten. Wir werden allerdings weiterhin als Manufaktur limitierte Kleinauflagen mit Künstlern, Illustratoren und Autoren umsetzen.

    Ich denke, dass wir als Start-Up den Luxus genießen, vieles auf uns zukommen zu lassen, das vorher nicht unbedingt geplant war, woraus oft erfreuliche Ergebnisse entstehen. Vor allem hat uns das schon viele interessante zwischenmenschliche Kontakte gebracht.

    Die Entwicklung des Unternehmens ist für uns ein wenig wie der Blick in ein Rollbuchfenster, bei dem man nie weiß, was als nächstes ins Blickfeld kommt.“

    1000 Dank für das Interview, Ann!

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