Browsing Tag

Stefan Niggemeier

    Fein gedacht Interview

    „Was bleibt, ist der Journalist und seine Leser.“ Fein gedacht-Interview mit Stefan Niggemeier zum Crowdfunding-Projekt „Krautreporter“

    15. Mai 2014

    Stefan Niggemeier ist Journalist, Blogger und der Meister der spitzen Feder. Und er ist Teil des Autorenteams von „Krautreporter“, das am Dienstag mit einem Crowdfunding-Aufruf ans Netz gegangen ist und das erste deutsche werbefreie Onlinemagazin werden will, das komplett von Lesern finanziert wird. Wenn bis zum 13. Juni 15.000 Unterstützer zusammenkommen.

    Ein klasse Projekt, wie ich finde, und glücklicherweise habe ich Stefan für ein paar Minuten raus aus dem„Krautreporter“-Tweet- und Post-Hype und ans Telefon bekommen.

    journalist_stefan_niggemeier_fuer_krautreporter

     

    Stefan, wie war deine erste Reaktion auf das Konzept von „Krautreporter“?

    Stefan Niggemeier: Als (Mitgründer) Sebastian Esser mir davon erzählte, gefiel mir sofort der extrem sympathische Gedanke, ein Onlinemagazin zu starten, für das die Leser zahlen, das sich aber nicht hinter der Bezahlschranke versteckt. Die Artikel können von allen gelesen und geteilt werden.

    … im Gegensatz zum leserfinanzierten Onlinemagazin „de Correspondent“ in den Niederlanden, dessen Seite nur für Abonnenten zugänglich ist..

    Stefan Niggemeier: Ja. Aber wir sind ja Journalisten, wir haben etwas mitzuteilen und wollen von möglichst vielen Menschen gelesen werden.

    Krautreporter soll ein Onlinemagazin ohne Werbung werden, mit Themen, die (Zitat) „in klassischen Online-Medien keine Chance haben“. Welche Themen könnten das konkret sein und warum haben sie in werbefinanzierten Medien keine Chance?

    Stefan Niggemeier: Viele Themen scheitern an Ressortgrenzen oder sind einfach nicht populär genug. Wir möchten im „Krautreporter“ über Themen berichten, die für uns und den Leser relevant sind, obwohl vielleicht nicht alle darüber reden. Wir möchten den Lesern einen Mehrwert bieten, Hintergründe und Sachverhalte analysieren und erklären. Wir möchten Geschichten hinter den Nachrichten erzählen.

    … und dabei auch ganz nah am Leser sein. Kritik und Kritiker gibt es ja jetzt schon und wird es sicherlich immer geben – wie werdet ihr damit umgehen?

    Stefan Niggemeier: Na ja, der Leser zahlt und hat damit auch ein besonderes Recht auf seine Ansprüche. Was es dann im konkreten Alltag bedeuten wird für die Art, wie Kritik formuliert wird, und wie wir gut damit umgehen, müssen wir herausfinden. Ich persönlich schätze den direkten Kontakt und Austausch z.B. mit den Lesern meines Blogs sehr, auch wenn es anstrengend oder negativ ist, ist es für mich unterm Strich ein Gewinn. Aber man muss sich auch ein dickes Fell zulegen.

    Stichwort Blog: Wie werden sich speziell deine Medienthemen in „Krautreporter“ von denen in deinem Blog unterscheiden? Welche Möglichkeiten hast du hier, die du in deinem Blog nicht hast?

    Stefan Niggemeier: Vor allem werde ich dafür bezahlt, wodurch es natürlich leichter ist, sich Zeit für Recherchen zu nehmen.

    Geht „Krautreporter“ eigentlich nicht wieder „back to the roots“? Themen, die für den Leser relevant sind, Journalisten, die schreiben, was sie denken, ohne an die Werbekunden denken zu müssen – das ist doch eigentlich Journalismus der guten alten Zeit …

    Stefan Niggemeier: Gab es den wirklich jemals? Ich finde, „Krautreporter“ ist etwas ganz Neues. Zwei Mittelsmänner des klassischen Journalismus fallen weg: der Verlag und die Werbekunden. Was bleibt, ist der Journalist und seine Leser. Ob das gelingt, werden wir beweisen müssen.

    Vielen Dank für das Gespräch, Stefan!

    Mehr von Stefan Niggemeier: Blog, Facebook und Twitter.

    Hier geht´s zur „Krautreporter“-Seite, Twitter und Facebook.

     

     

    Merken