Browsing Tag

workisnotajob

    Inspiration Meine größte Stärke Stories

    „Alles, was im Leben von Bedeutung ist, braucht Liebe und Arbeit.“ Catharina Bruns, Entrepreneurin & Autorin

    23. Mai 2017

    #MeinegrößteStärke I Catharina ist für mich der Inbegriff einer starken, kreativen Frau, die genau weiß, was sie im Leben erreichen will. Sie hat nicht nur eins, sondern gleich mehrere Unternehmen gegründet, ist Buchautorin („Work is not a job„, „Frei sein statt frei haben„) und spricht auf Seminaren und Konferenzen wie der re:publica. Selbständigkeit und Selbstbestimmheit sind ihre Themen – ach, ihr merkt schon, dass ich sie maßlos bewundere, oder? Umso spannender, von einer solchen Frau eine ehrliche und eindringliche Anwort auf meine Frage zu bekommen: Was ist deine größe Stärke?

    „Als Sonja mich für diese Blog-Serie angefragt hat, ist mir aufgefallen, dass ich mich eigentlich noch nie ganz bewusst mit meinen Stärken befasst habe. Und so geht es vielen, die ich kenne. Sie nehmen sehr wohl ihre Schwächen war, manchmal überdimensioniert, denken sich vielleicht zusätzlich noch ein paar aus, und vernachlässigen darüber, sich über das zu freuen und auszubauen, was sie schon können und an Stärken mitbringen. Mir wurden meine Stärken automatisch klar, als ich tat, was ich am liebsten tue – beim Laufen.

    Meine ausgeprägte Sportlermentalität hat mir in meinem Leben immer geholfen. Ich bilde mir ein, alles, was mich stark macht, habe ich im Laufsport gelernt. Für mich ist klar, nichts entwickelt sich von alleine, es braucht Geduld und vor allem – Training. Die Analogie zu meiner unternehmerischen Arbeit ist für mich plausibel. Mehr aus dem zu machen, was mir liegt und wichtig ist: Mit dem Laufen gehe ich einem Sport nach, für den ich ein gewisses Talent habe, der mir Spaß macht und für den ich die körperlichen Voraussetzungen mitbringe. Das ist bei jedem etwas anderes. Was bei jedem aber das Gleiche ist: Der Körper zeigt einem schnell, man kann sich wahnsinnig weiterentwickeln, aber letztendlich nur die Ziele mit Freude erreichen, für die man “gemacht” ist. Sich ewig damit aufzuhalten, was man gar nicht kann, oder gar nicht ist, führt in die Irre. Auf der Laufstrecke wie im Leben gilt: Sich mit anderen zu vergleichen ist Energieverschwendung. Besser ist es, sich auf seine Strecke zu konzentrieren und das herauszuholen, was in einem selbst steckt.

    Es braucht den Ehrgeiz sich weiterzuentwickeln, aber auch pure Freude daran, zu tun, was man tut. Alles, was im Leben von Bedeutung ist, braucht Liebe und Arbeit (man könnte es auch Zuwendung oder Enthusiasmus nennen). Man lernt den Wettbewerb zu schätzen, bekommt Lust und den Willen zu gewinnen, aber muss sich auch immer wieder darin schulen, Rückschläge einstecken zu können. Manchmal läuft es gut, man merkt die Belastung gar nicht, und manchmal ist es hart, und verlangt sehr viel – dann heißt es sich selbst am Schopfe packen und durchhalten. Aber auch ausreichend zu pausieren, denn wenn man sich übernimmt, wird man es mit Verletzungen bitter bezahlen, was wiederum unnötig zurückwirft. All das sind natürlich simple Erkenntnisse, aber sie helfen mir in meiner selbstständigen Arbeit jeden Tag. Die Mentalität des Ausdauersportlers, der liebt, was die Strecke ihm bietet und unterwegs entspannen kann, hilft mir, viele Projekte gleichzeitig umzusetzen, ohne mich zu überfordern. Ich halte es wie John Bryant, der gesagt haben soll „My feeling is that any day I am too busy to run is a day that I am too busy.” Achtsamkeit, Entschleunigung, “Work-Life-Balance”, Entspannung, Resilienz, reichlich Wasser trinken – all diese Dinge, für die der moderne Mensch plötzlich verzweifelt nach einer Anleitung sucht, kommen automatisch – man braucht keine Ratgeber und auch keinen Feel-Good-Manager, wenn man täglich die Laufschuhe schnürt. Der Körper ist ein sehr feiner Kompass: Er zeigt einem zuverlässig, wie belastbar er ist, und sich als leistungsfähig wahrzunehmen, gibt ein unglaublich sicheres Gefühl. Manchmal gaukelt er einem nur vor, dass “nichts mehr geht”, manchmal meint er es auch ernst – das muss man beim Laufen, und im Leben, unterscheiden können. Viele denken von mir, ich sei einfach so eine total selbstbewusste Persönlichkeit und hätte eben starke Überzeugungen. In Wirklichkeit bin ich auch ein vorsichtiger Angsthase, Typ Magengeschwür, der ständig zweifelt. Aber im Kern weiß ich, dass ich an mich selbst und meine Sache glauben m u s s. Eine gewisse Zähigkeit und das Selbstvertrauen, mich ungewohnten Aufgaben stellen zu können, habe ich mir erlaufen. Und seitdem ich an mich selbst glaube, glaube ich auch an andere, was wiederum meine Arbeit insgesamt beflügelt.

    Sich auf sich selbst zu verlassen und das Vertrauen zu haben, dass man sich richtig einschätzen kann, ist für mich einer der wichtigsten Benefits des Ausdauersports. Man lernt, ehrlich zu sich selbst zu sein – auf der langen Strecke kann man sich nichts vormachen. Und das verhilft zu nicht weniger als einem gesunden Selbstvertrauen und beruhigender Selbstsicherheit – eine Sicherheit, die ich jedem wünsche.“

     

    Portraitfoto von Catharina Bruns: Sophie Pester

    Lauffoto mit freundlicher Genehmigung von Catharina Bruns.

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken

    Merken